Alldies

Angelika Schröder

10. Sept. - 10. Okt. 2004

Schon wenn man die Treppen in den Ausstellungsraum des Kunstvereins hinabsteigt, hört man das Piepsen von Scannerkassen, Stimmengemurmel, Alltagsgeräusche, wie man sie von fast jedem Supermarkt kennt.
Wenig später blickt man wie in einer Luftaufnahme auf Dutzende kleiner Gebilde, die einem merkwürdig bekannt vorkommen. Zu Recht, denn was da zu sehen ist, sind alles kleine maßstabsgetreu gefertigte ALDI-Supermärkte, kaum unterscheidbar in ALDI-Nord und ALDI-Süd aufgeteilt.  Wenn man dann auch noch im oberen Raum zum „5-Minuten-Terrinen-Spaziergang“ aufgefordert wird, stellt sich mancher Besucher sicher die Frage, ob er sich versehentlich in der Tür geirrt hat.

Aber dem ist nicht so. Dahinter steckt die Arbeit der Mannheimer Konzeptkünstlerin Angelika Schröder (geb. 1966, Ausbildung an der Freien Kunstschule Mannheim und Städelschule Frankfurt bei Ayse Erkmen), die den Kunstverein kurzerhand zum Supermarkt umfunktioniert zu haben scheint. 
Die Künstlerin greift mit ihrer Arbeit im Kunstverein einen Aspekt in der Strategie großer Handelsketten auf und setzt diesen in eine raumgreifende Installation um. Anhand von Bauplänen, die ALDI selbst freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, produzierte die Künstlerin fast wie in einer vorindustriellen Manufaktur (eine Arbeitskraft und eine Nähmaschine) maßstabs-getreue „Mini-ALDIs“.
Dabei basiert ihre Arbeitsmethodik auf der Grundlage einer genauen Vermessung von Innenräumen, deren „Luftraum“ sie in dreidimensionale Stoffskulpturen umsetzt. Besonders bei der in der ab dem 10. September im Kunstverein Viernheim gezeigten Rauminstallation werden durch die skulpturale Umsetzung die konstruktiv-architektonischen Zusammenhänge eines ALDI-Marktes analysiert. Doch anders als die oftmals fassadenselige Architektur der Moderne richtet Schröders sezierend-künstlerischer Blick den Focus auch auf das Innenleben und die Uniformität der Gebäude. Gerade diese spiegelt damit eine, im Inneren der Märkte und deren betriebswirtschaftlichem Konzept beheimatete Unternehmenskultur der Vereinheitlichung, wieder. Die bekanntermaßen erfolgreiche Marketingstrategie der Standardisierung geht jedoch einher mit einem Verlust an Vielfalt.

Jedes einzelne Objekt (ca. 30 x 50 x10 cm) ist handgearbeitet und basiert einzig auf den drei (!) architektonischen Grundformen der Einzelhandelskette.
So entstehen skulpturale Objekte, die eine überraschend bildnerische Eigenständigkeit gewinnen und dennoch ihre Referenz nicht verlieren. Angelika Schröders künstlerisch-detektivische Analyse von Alltagsarchitektur stimuliert so auf pittoreske Art und Weise unsere Wahrnehmungsneugierde.

 

Website Angelika Schröder

Gruppenausstellung Ladenhüter

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