NETZWERKE

Malerische Installation und Tafelbilder

von Susanne Beik

23. Juli - 21. Aug. 2010 im Kunsthaus Viernheim


Wie ein Raster sind die Formen bildfüllend angeordnet und überziehen netzartig die Fläche. Sowohl hinsichtlich der Form als auch der Farbe stellen die Tafelbilder wichtige Voraussetzungen dar für das sich anbahnende Ausbrechen aus dem begrenzten quadratischen Bildformat und die Reduktion der Farbigkeit. Man spürt die Kraft und den Willen, sich ausdehnen zu wollen, da die dynamischen Linien um die Kanten des Bildes fortgeführt werden und nicht nur die Bildvorderseite bemalt ist. Fläche beginnt Raum zu erobern.

Dr. Annette Reich, Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern

 

In ihren Wandmalereien bearbeitet Susanne Beik Architektur in einer Weise, die auf spezifische Vorgaben wie Maße, Proportionen, Farbigkeit und Materialien Bezug nimmt, gerade dadurch jedoch den Raum grundlegend verändert.

Vor Jahren schon hat sie eine Bildsprache entwickelt, deren Spektrum auf den ersten Blick eng begrenzt erscheint, in der konkreten Anwendung aber eine erstaunliche Varianzbreite nicht nur graduell, sondern auch grundsätzlich unterschiedlichster Möglichkeiten eröffnet. Einmal mehr zeigt sich, dass radikale Beschränkung - nicht nur in der Kunst - ein Gestaltungs- und Wahrnehmungsspektrum von überraschender Vielfalt erschließen kann. Dem mit Akribie und Disziplin, mit geradezu wissenschaftlicher Neugier und Präzision nachzuspüren, kann zu einer Obsession werden, aus der faszinierende Einsichten und Ergebnisse resultieren.

Susanne Beik verwendet ausschließlich eine Art Schlingmuster, dessen „Tragfähigkeit" sie zunächst in Tafelbildern, später in eindrucksvollen Wandmalereien erprobt hat. Sie setzt es sparsam oder ganze Wandflächen füllend ein, flächendeckend, punktuell oder als Fries.

Susanne Beiks Arbeiten leben aus der Spannung zwischen der seriellen Anordnung ihrer Motive und deren individuell skripturaler, jedenfalls nicht schablonenhaft-mechanischer Ausführung. Diese Ausführung ist nichts, was als sekundär vom konzeptionellen Ansatz getrennt werden könnte. In der individuellen, nicht delegierbaren Aktion des Machens verwirklicht sich erst eigentlich das künstlerische Konzept. Die Arbeit entsteht in einem Prozess höchster Konzentration, der die künstlerische Aneignung des Raumes und das Erleben und Sichtbarmachen der Zeitdimension umschließt. Das weiße Lineament wird dabei nicht einem dunklen Grund aufgesetzt, sondern bleibt als Bestandteil der Wand ausgespart.

Hans Gercke, Auszüge aus: „Konstruktion und Lebendigkeit" in Katalog „Malerische Installation in der Cafeteria des Heidelberger Kunstvereins", S. 3, 5



Susanne Beik selbst meint::

„Bei meinen malerischen Installationen bin ich durch das Arbeiten vor Ort mit immer neuen räumlichen Situationen konfrontiert. Durch die Bezugnahme auf die spezifischen Gegebenheiten, entstehen immer neue Installationen, die einzigartig sind - womit ich meine, dass keine von ihnen genau so an einem anderen Ort entstehen kann."

Eröffnung am Freitag, dem 23. Juli um 19 Uhr im Kunsthaus Viernheim

Einführung: Dr. Reinhard Spieler (Direktor Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen/Rh.)

 

Webseite Susanne Beik

 

 

Malerische Installation in der Cafeteria des Heidelberger Kunstvereins, 2006 Acrylfarbe mit Stahlpigmenten auf Gewebetapete, 27 m² (Foto: Hans-Georg Merkel)

Malerische Installation im Kunstverein Friedberg, Ausstellung 2005, Foto: Hans-Georg Merkel

Pariserblau in weißem Netz, 2008   Acryl auf Leinwand, 80 x 80 cm

Foto: Hans-Georg Merkel

 

 

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