HERE IS ELSEWHERE

Veronika Witte

23.09. - 22.10.2011 im Kunsthaus Viernheim

 

In der Ausstellung mit dem Titel „Here is Elsewhere“ untersucht Veronika Witte das Phänomen, wie Körper mit identischer Matrix durch äußere Einflüsse oder Manipulation ihre Erscheinungen verändern können. Dabei verfolgt sie Fragen wie “Wie konstruiert sich unser Selbst?“ oder „Welche Bedeutung hat der biografische, soziale, kulturelle und wissenschaftliche Kontext in Bezug auf die Identitätsbildung?“ Dabei spielen Übertragungen von sicher geglaubten Wesensmerkmalen in die Medien wie Video oder Skulptur eine entscheidende Rolle. Dieser Vorgang löst überkommene Festschreibungen auf – seien sie biologischer oder kultureller Natur. Außerdem treten bisweilen mutationsgleiche Übertragungsfehler auf. All diese Vorgänge – nennen wir sie einmal ‚Kommunikation’ – stellen eine Art  „Stille Post-Spiel“ dar. Vergnügen bereitet dieses Spiel in seiner weithin bekannten Form durch die vieldeutigen Verfälschungen des Inhalts, durch eine ins Unsinnige gewendete Sprache und wild wuchernde Assoziationen und Bilder. Veronika Witte setzt die Strategien dieses Spiels ein, um scheinbar Vertrautes in den Zustand der Fremdheit zu übersetzen und damit überhaupt erst wahrnehmbar zu machen.

In der Ausstellung wird auch das Archiv von der Künstlerin gegründete, pseudowissenschaftliche „Institut für sozioästhetische Feldforschung“ (ISF) zu sehen sein. Seit seiner Gründung hat das ISF international eine Vielzahl von Befragungen durchgeführt und dabei bereits mehr als 2000 ausgefüllte Fragebögen generiert. Die vom ISF erhobenen Daten zielen auf die Vorstellung der Teilnehmer von einem idealen zukünftigen Körper. Witte erforscht hier die Institutionalisierung von Wahrnehmung und hinterfragt die Identität und Rezeption von Körperbildern. Diese Installation stellt die tatsächliche oder fiktive Option des Individuums zur Diskussion, seine Identität neu zu bestimmen und sein Aussehen neu zu entwerfen. Im Rahmen der Ausstellung im Kunstverein Viernheim zeigt Witte u.a. die wissenschaftliche Auswertung der Fragebögen als künstlerischen Vorgang z.B. in Form von Skulpturen und Video. Ohne den vorgegebenen 'wissenschaftlichen Nutzen' konkret auszuformulieren beschreiben die Installationen einen Komplex, der unseren Alltag schon jetzt mehr bestimmt als es vermuten lässt. Mit Mitteln analog zu denen der exakten Wissenschaft entstehen hier Portraits, die gleichzeitig das einzelne Subjekt beschreiben sowie den gesellschaftlichen Körper im Ganzen.

 

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