Wilde Zeiten

Fotografien von Günter Zint

04. Nov. - 03. Dez. 2011

 

Die Beatles und Jimi Hendrix im legendären Hamburger Star-Club, Studentenproteste in Paris und Berlin, Oster-märsche und Anti-Atomkraft-Demonstrationen, Mauerfall und deutsche Einheit - der Fotograf Günter Zint dokumentiert deutsche Zeitgeschichte - engagiert, kritisch, nie unbeteiligt.
1941 in Fulda geboren, beginnt Zint 1959 seine berufliche Laufbahn als Bildjournalist und Redakteur bei der Deutschen Presseagentur in Frankfurt, Berlin und München. Er macht Fotoreportagen für „Quick", „Twen" und „Der Spiegel", arbeitet als freier Fotograf zeitweise auch in Schweden und England.
In den 60er Jahren ist der inzwischen in Hamburg lebende Fotograf Stammgast im damals „berühmtesten Beat-Club der Welt", dem Star-Club in St. Pauli. Er porträtiert die Großen der Musikszene und liefert einfühlsame Milieu¬studien des Alltags im Kiez und seiner Bewohner
Als Zint 1962 in München miterlebt wie Protestierer von Polizisten mit Schlagstöcken malträtiert werden, tritt er der Außerparlamentarischen Opposition (APO) bei. Von nun an fotografiert er zunehmend politische Themen. Seinem Credo „Ran ans Motiv" folgend, richtet sich sein Blick meist aus der Perspektive der Agierenden auf das Geschehen. Aus unmittelbarer Nähe „protokolliert" er die Ereignisse nach dem Attentat auf Rudi Dutschke, zeigt verletzte Demonstranten, Wasserwerfer und armierte Polizei. Mit seinen Fotos der Studentenunruhen oder des Kommunenlebens wird Zint zum Chronisten der 68er Bewegung.
In den 70er und frühen 80er Jahren ist Zint Augenzeuge vieler Aktionen der Jugend- und Protestbewegungen. Unter den Fotos Steine werfender Atomkraftgegner, aufmarschierender Polizisten, martialisch erscheinender Panzerwagen und Wasserwerfer am „Zaun" in Brokdorf oder Wackersdorf finden sich stets auch solche, die Zwischentöne herausarbeiten und Hinter¬gründiges einstreuen, die versöhnlich stimmen und die Konfrontation fast vergessen lassen.
Obwohl Zint ohne Schnörkel und Effekthascherei Realität abbilden möchte, sind seine Fotos weit mehr als reine Dokumentation. Motive wie das windschiefe Kreuz mit der Aufschrift „Träume" am Stacheldrahtzaun von Gorleben oder die Aufnahme einer Familie aus Ost-Deutschland, die nach dem Mauerfall mit einer riesenhaften D-Mark aus Pappe für ein Foto posiert, stimmen nachdenklich und prägen sich nachhaltig dem kollektiven Bildgedächtnis ein.