Janna Riabowa: ANDENKEN

Fotografie / Installation

18. Juni - 17. Juli 2010 im Gewölbekeller

Putti, die geflügelten, überwiegend nackten, meist rundlichen und oft lockigen Knaben, die sich gern in Scharen versammeln, doch zuweilen auch vorwitzig aus der Reihe tanzen, sind aus den großen Bild-Inszenierungen der Renaissance und des Barock nicht wegzudenken.
Auf Gemälden und Fresken, an Brunnen und Grabmonumenten, Pfeilern und Fassaden, Säulenkapitellen und Sockeln, Geländern und Gesimsen, Portalen und Triumphbögen, in Gärten und hundert anderen Orten wohnen und tummeln sie sich.
Bereits in der Antike findet man sie. Damals noch vornehmlich heidnische, erotomane Girlandenhalter, werden sie im christlichen Spätmittelalter zu Kinderengeln und der Verkörperung kindlicher Unschuld.

Janna Riabowa hat die barocken Flügelwesen zum Ausgangspunkt ihrer Arbeit gemacht. In ihrer bayrischen Wahlheimat, wo man die Putti auch heute noch „Kinderengel" nennt, hat sie sie über 2 Jahre aufgespürt und fotografiert. Erst die nähere Betrachtung offenbart uns die eigentliche künstlerische Intervention von Janna Riabowa.

Wo uns normalerweise die pausbäckig prallschönen Gesichter der Barockengelchen anlächeln, blicken wir in die Gesichter von wirklichen Kindern...und nicht nur das! Präsentiert auf großformatigen C-Prints entzieht sie uns damit den trügerisch festen Boden der beschaulichen Betrachtung und katapultiert uns in eines der dunkelsten Kapitel unserer Gesellschaft. Aus den bezaubernden Statisten der Kunstbühne, werden dramatische Zeugen einer grausamen Wirklichkeit.

 

Die seit 1977 in der Bundessrepublik lebende Künstlerin wurde im litauischen Kaunas geboren und hat an der Kunstakademie in Vilnius Malerei und Graphik studiert. Ursprünglich aus der Malerei kommend, arbeitet sie heute medienübergreifend in den Bereichen Installation, Video, Fotografie, Objekt, Text und Malerei. In ihren aktuellen konzeptuellen Arbeiten beschäftigt sie sich mit den Themen Zeit, Wirklichkeit, Erinnerung, Gedächtnis und Identität. Ausgangspunkt ihrer Auseinandersetzung ist meist vorgefundenes oder selbst hergestelltes fotografisches und filmisches Material, aus dem sie durch manuelle oder technische Eingriffe ebenso poetische, wie auch rätselhaft-verschlüsselte, aber ungeheuer assoziationsstarke „Geschichten" mit neuen Inhalten entwickelt." (Dr. Petra Noll)

 

Website Janna Riabowa

(Tatjana de Luxe)

 

 

 

 

Andenken 2